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Nach einem wunderschönen Wochenende im winterlichen Wien, heute mal ein Post zum Thema Druckkostenzuschussverlag (DKZV). Eigentlich hatte ich ihn nur für meine Facebook-Seite tippen wollen, dafür ist er aber zu lang geraten, deshalb pinne ich ihn hier fest. :)


veroeffentlichenwiewo

Letzte Woche hatte ich einen interessanten Zeitungs-Termin: Ein Interview mit einer Dame, die ein Kinderbuch veröffentlicht hat. Ich kam zurück und wusste, darüber muuuuuuss ich dann doch mal was schreiben …

Wenn man sich im Bekanntenkreis übers Schreiben unterhält, hört man gern mal solche Aussagen wie: „Hach, was ich schon alles erlebt hab, da könnt ich glatt ein Buch drüber schreiben!“ Mancher setzt sich dann auch tatsächlich an den Computer und schwupps, ist der vermeintliche Bestseller getippt. Und dann?

Man klickt sich durch Google und stolpert vermutlich nach spätestens zwei Minuten über Anzeigen, wie:

Autoren gesucht!

oder auch

Wir verlegen Ihr Buch!

Super, das ist ja einfach …

Das Manuskript wird verschickt und kurz darauf bekommt man die vielversprechende Nachricht, man sei beeindruckt von dem Werk und wolle es gern auf den Markt bringen. Man bitte allerdings um Verständnis, dass schließlich Unsummen für Werbung und das ganze Drumherum nötig seien, deshalb könne man leider erst nach Zahlung einer Selbstbeteiligung von Summe X tätig werden. Aufgrund des enormen Potentials, welches man in den schriftstellerischen Fähigkeiten des Autoren deutlich erkennen könne, habe man jedoch keinen Zweifel daran, dass dieses Geld in kürzester Zeit wieder auf dem Schreiberlings-Konto gutgeschrieben sein würde.

Wer sich mit der Schriftstellerei und dem Verlagswesen nie auseinandergesetzt hat, der mag nun vielleicht denken, dass das der normale Ablauf und übliche Weg vom Manuskript zum fertigen Buch ist. Im schlimmsten Fall geht man zur Bank, zu guten Freunden oder wohin auch immer und finanziert die Veröffentlichung des eigenen Buches mit ein paar Tausendern vor. Alles halb so wild. Kommt ja bald wieder rein. Haben die Leute vom Verlag schließlich gesagt – und die müssen es ja wohl wissen.

Das angebotene Lektorat (üblicherweise Summe X pro Wort) nimmt man entweder auch noch an oder lässt es in Anbetracht der bereits entstandenen Kosten alternativ auch unter den Tisch fallen – das bisschen Rechtschreibung, das kriegt man schon selbst hin, wär doch gelacht. Hhm … Beides doof.

Was passiert (meistens)?

Man hat zigtausend Euro bezahlt, lässt sein Buch in einer gewissen Auflage mit sämtlichen Rechtschreib- oder Stilfehlern 1:1 drucken und harrt des grandiosen Erfolgs, der in Kürze über einen hereinbrechen wird. Nach einer Weile fragt man vielleicht mal vorsichtig beim Verlag nach, wie es denn so ausschaut, mit den Verkäufen, der Werbung, etc. und stellt fest, dass man A) keinerlei Überblick hat, B) sich außer ein paar Belegexemplaren sein Buch teuer selbst kaufen muss und C) scheinbar niemand sonst von der Existenz des vermeintlichen Bestsellers weiß (Familienangehörige und enge Freunde mal ausgenommen).

Der Wunsch, sein Buch möglichst schnell in Händen halten zu können, ist ein gefundenes Fressen für DKZV, damit verdienen diese ihr Geld – und das nicht zu knapp.

Egal, wie groß das Bedürfnis ist, sein eigenes Leben zwischen zwei Buchdeckel zu pressen oder die Welt mit persönlichen Weisheiten zu reformieren, nie, nie, niemals ist ein DKZV die richtige Adresse für ein solches Vorhaben.

Ein seriöser Verlag wird kein Geld von dir verlangen, um dein Buch herauszubringen, man könnte auch sagen:

Verlag – verlegen – vorlegen …

Das Risiko trägt allein der Verlag und deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es eine halbe Ewigkeit dauern kann, bis man mal endlich einen Verleger von sich und seinem Buch überzeugt hat. Das ist ein enormes Risikogeschäft, da legt man sich nicht die dreihundertsechsundzwanzigste Geschichte des gleichen Themas ins Regal, da muss schon etwas Besonderes her.

Noch was … Wer sein Buch an den Mann bringen will, der druckt nicht sämtliche Seiten seines Manuskripts aus und schickt es wurfpostähnlich in der Weltgeschichte herum, er versendet ein EXPOSÉ – und zwar an ausgewählte Verlage, von denen er denkt, das eigene Werk könnte gut in deren Programm passen (und auch da besser nicht an mehrere zeitgleich).

Was ein Exposé ist?

Übersetzt bedeutet das soviel wie hervorheben, herausstellen. EX-POSIEREN, sozusagen. Zeigen, was man Tolles zu bieten hat und warum ausgerechnet das eigene Buch so unglaublich erfolgversprechend ist.

  • Was zeichnet mich aus, warum bin gerade ich dafür geeignet, über Thema X zu schreiben?
  • Was gibt es Vergleichbares auf dem Markt und wieso ist mein Buch trotzdem lesenswert?
  • Wer ist meine Zielgruppe und welchen Mehrwert bietet mein Buch für sie?

All das (und mehr) muss in einem Exposé beantwortet werden und das am besten möglichst schnell. Es ist eine sehr romantische Vorstellung, ein Lektor käme irgendwann im Laufe des Vormittags in sein Büro, ließe sich entspannt in seinem Ohrensessel nieder und blättere voller Freude ein Manuskript nach dem anderen durch.

Falsch.

Dafür hat er gar keine Zeit. Stapelweise türmen sich die geistige Ergüsse mehr oder weniger talentierter Schreiberlinge auf seinem Schreibtisch oder auf seiner Festplatte, er ist darauf getrimmt, in kürzester Zeit Entscheidungen zu treffen und das tut er nicht selten nach ein paar wenigen Worten oder Zeilen.

Dein Vorhaben, ein Buch bei einem Verlag unterzubringen, ist also nicht allein damit getan, es in die Tastatur zu hämmern, du musst in erster Linie das Interesse des Verlags wecken und dafür hast du meist nur wenig Zeit.

notebook-1939358_960_720Ach … nochmal kurz zur Rechtschreibung. Sicher, ein seriöser Verlag wird dein Buch lektorieren und sich eine meeeeegaaaaa-geniale Geschichte auch trotz einiger Tippfehler nicht durch die Lappen gehen lassen. Da die wenigsten von uns aber Hemingway, King oder Rowling mit Nachnamen heißen, ist es durchaus angebracht, deine Geschichte in die bestmögliche Form zu packen und Rechtschreib- oder auch Stilfehler so gut es geht auszumerzen.

Ein professionelles Lektorat kann hier Wunder wirken und entscheidet im Zweifelsfall über Tod oder Leben deines Buches. Angebote gibt es im Netz genug – auch ich biete mich hier gern an, das nur mal so am Rande. :)

Nicht missverstehen, die Freude am Schreiben ist etwas Wundervolles und die eigene Geschichte veröffentlicht sehen zu wollen, ist absolut nichts Verwerfliches – aber nicht um jeden Preis. Es nützt dir rein gar nichts, wenn du dein Buch zwar in Händen hältst, viele hundert Exemplare davon aber in in irgendwelchen Kisten verrotten und eines Tages auf dem Papiermüll landen. Das hat kein Buch verdient. 

Jeder, wirklich jeder kann auf diese Art veröffentlichen, selbst wenn es sich um den allergrößten Schund handeln sollte. Deshalb werden Bücher, die im DKZV erschienen sind, vom normalen Literaturbetrieb für gewöhnlich auch nicht weiter beachtet. Du tust dir mit einer solchen Veröffentlichung also auch dann keinen Gefallen, wenn du sogar ganz gut schreiben kannst. Gerade dann solltest du deinem Buch den verdienten Respekt zollen und es nicht „mal eben schnell“ verschachern.

Stell dir vor, es wäre dein leibliches Kind. Du hast dich echt laaaange mit ihm herumgeschlagen und hast dir alle Mühe gegeben, ihm ein gutes Leben zu ermöglichen. Es liegt dir mehr am Herzen, als irgendjemand sonst und nun entlässt du es in die große, weite Welt.

Welchen Partner wünschst du dir für dein Kind?

Siehst du … ;)

In diesem Sinne,
eine schöne Woche und schreibfreudige Grüße,
Rebecca


Hier mal noch ein paar nützliche Links.

„Schwarze Liste“ von DKZV: http://bit.ly/2kd2lXm

Alle Verlage, die zur Verlagsgruppe Randomhouse gehören: http://bit.ly/2kJNEyf

Gleiches für Kamphausen: http://bit.ly/2laCfbB

Wie schreibe ich ein Exposé?: http://bit.ly/2jTlUbb

Und wenn ich schon mal dabei bin, hier noch einige meiner eigenen Schreibtipps – wenn die Seite auch etwas verwaist ist, die Artikel sind es nicht. ;) http://bit.ly/2lfxCtx

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